Urlaub vorbei

Wir sind wieder zurück.

Haben wir uns erholt?

Nun, es war schön aber Erholung kann ich das jetzt nicht gerade nennen. Ich kann nicht sagen ob es am Stress der Vortage lag, aber ich wurde von extremen Rückenschmerzen und Kopfschmerzen geplagt. Es ging soweit, dass ich nicht mehr vom Sofa aufstehen konnte. Und doch quälte ich mich trotz allem und ging am nächsten Tag wandern.

Unser Mann suchte eine Strecke aus, die in einem Faltblatt beschrieben war. Leider las er nur einen Teil der Tour Beschreibung und war der Meinung diese sei einfach und lediglich 4 Kilometer lang. Doch weit gefehlt. 10 km wären es mindestens gewesen und dem Bild könnt ihr entnehmen wie der Weg zum Teil ausschaut.

https://goo.gl/images/3e7w2s

Genau nach diesem Abschnitt wo ich bereits kaum meine Füße anheben konnte vor lauter Rückenschmerzen erreichten wir den Rinderstall. Und dort stellten wir fest, dass der Weg zurück noch wesentlich länger ist. Leider konnte ich ja nicht mehr. Zurücklaufen war gar keine Option. Der Rinderstall war schon zu. Ein Stoßgebet später schickte uns der Himmel ein Auto vorbei. Ein paar Touristen die sich auf der Suche nach einer Gaststätte verirrten. Und Gott sei Dank nahmen sie uns ein gutes Stück nach unten mit…

Am nächsten Tag war dann aber nichts mehr mit wandern. Da war dann nur noch ausruhen und liegen dran. Laufen war gar unmöglich. Und die Kopfschmerzen und Rückenschmerzen unerträglich.

Ruhe …

Eine nicht gekannte Ruhe. So ruhig, dass ich lediglich das Rauschen in meinem Kopf hörte. Im Vergleich zu meinem normalen Alltag, schon fast penetrant. Zu Hause gibt es so etwas nicht. Wir wohnen  an einer sehr stark befahren Straße, umgeben von vielen Wohnungen in denen oft Kindergeschrei zu hören ist. Wenn es mal tatsächlich ruhig ist, so ist immer mindestens ein Grundrauschen zu hören. Jetzt wo wir daheim sind, sehnen wir uns bereits wieder in den Harz zurück. Denn diese Ruhe ist etwas so wunderbares. Frieden…

Und die Natur, die Wälder, das Grün, es ist so wunderbar, dass ich überlege wie es machbar wäre dahin zu ziehen. Raus aus der Stadt, rein ins Grüne. Nahe am Wald und Menschen leer. Herrlich …

Urlaub vom Trauma?

Bedingt. Es gab ein der Tat nicht viele Wechsel. Nur einmal heulte irgend jemand, weil etwas in den Nachrichten gehört wurde. Etwas was getriggert hat. Jemand wünschte so sehr, dass auch unsere Täter geschnappt werden. Immer noch in der Vergangenheit gefangen glaubte sie, dass dann die Gewalt aufhören wird. Endlich Gerechtigkeit geschieht. Aber natürlich waren es nicht unsere Täter die da gefasst wurden. Nein, unsere Täter die sind schon mit Sicherheit sehr alt oder gar Tod.  Aber das verstand sie nicht. Unser Mann sah die Tränen und machte sich Sorgen. Wollte uns helfen, fragte was los ist. Geantwortet habe ich: da ist nichts alles ist gut, ist doch alles gut. Ich lächelte währenddessen jemand anderer zur selben Zeit weinte. Da wurde mir bewusst, dass jemand in uns tatsächlich an diese ganzen Taten glaubt und wirklich vom Herzen Genugtuung wünscht. Dass es für diesen jemand tatsächlich passiert sein muss. Immer diese krassen Gefühle! Dabei ging es in den Nachrichten überhaupt gar nicht um die Fassung irgendwelcher Täter. Nein, das Thema war Missbrauch von Kindergeld. Und die Rede von Schleppern…

Und dann immer wieder diese Körper Erinnerungen. Diese Stiche mit den Nadeln. Die Schläge mit irgendwelchen Knüppeln auf die Füße. Die Krabbeltiere die auf uns rumlaufen, uns beißen und zwicken …

Das Nachts nicht ins Bett gehen können. Sich solange zu quälen bis man kaum noch klar denken kann. Noch ein Spiel, und noch ein Spiel, und noch ein Spiel am Tablet.

Wir versuchten ein Buch zu lesen. Kein Fachbuch, nein, ein Roman, ist ja Urlaub. Nur irgendjemand meinte es sei blose Zeitverschwendung. Das macht ja keinen Sinn und hat keinen Nutzen! Ich verstand kaum einen Satz. Aber dann irgendwann in der Nacht, da wurde immer mehr und mehr gelesen, obwohl die Augen bereits zu fielen. Noch ein Kapitel, nur noch eine Seite, na komm schon einer geht noch… Nur nicht ins Bett!

Denn im Bett lag ja schon mein Mann. Und seine Atemgeräusche! Die Dunkelheit und die fremden Geräusche der Rollos an den Fenstern. Als es in einer Nacht regnete und stürmte, versetzten uns diese Geräusche in Panik…

Erholung? Das Wandern (wir machten noch andere Touren) und die Natur war wunderbar. Die Ruhe richtig herrlich. Aber ansonsten…

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Unsere kleine konnte aber beruhigt sein, es gab keine Hexen… 😉

 

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2 Gedanken zu “Urlaub vorbei

  1. Ich war gerade am Sonntag am Rinderstall, muss lächeln, der Harz ist so groß – Zufälle gibt es ☺
    Bin grad zur stationären Therapie und kann dein Gedankenchaos gut nachfühlen

    Gefällt 1 Person

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