Akzeptieren der Vergangenheit

Aufgewacht. Unruhig hin und her gewälzt. Innen tobt zum abertausenden mal der Kampf zwischen: passiert und nicht passiert. Weil es kann ja nicht sein! Da ist es leicht gesagt: Das Ziel der Therapie, soll die Akzeptanz der Traumata sein.

Aber dann erinnerte ich die gestrige Antwort von Sofie, dass beide Realitäten richtig sind. Und ich dachte ja, das stimmt. Ich liege hier, wälzte mich hin und her, schlafen geht nicht… Die Symptome sind REAL! Die kann man nicht weg diskutieren! Also muss der Körper Dinge erlebt haben, schlimme Dinge! Und es ist eine Tatsache, dass ich nichts davon weiß, sie nicht erinnere, sie nicht glauben kann, sie nicht in mein Leben rein passen. Und doch ist es für die anderen hier auch real, was sie erinnern. Deren Gefühle sind echt und sie schreien zum Himmel! Ja, sie stecken quasi noch im damals fest!

Beides ist richtig, jeder hat seine eigene Realität!

Also, auch wenn ich mich nicht erinnere, so sind die Symptome des Körpers trotzdem echt und da, also ist dem Körper und damit anderen in mir etwas sehr schlimmes passiert. PUNKT! Darüber muss man nicht diskutieren, es ist eine Tatsache, die Realität von heute und jetzt!

Und diese Erkenntnis brachte glatt eine deutliche Ruhe im Körper, eine gewisse Entspannung.

Ich kann nur sagen, danke Sofie. Es so zu sehen, das wäre für mich nicht so plötzlich möglich ohne eurer Antwort :

Ich glaube, dass das Anerkennen von unterschiedlichen Lebensrealitäten im Innen kein Widerspruch dazu ist, die Verleugnung des Traumas aufzulösen. Im Gegenteil. Ich finde das wichtig. Dran habe ich lange gearbeitet, dass ich mir als Alltagsperson eingestehen konnte, dass ich vieles nicht weiß und erst im nächsten Schritt dann auch, dass es das „andere Leben“ trotzdem gab. Insofern löst man über die Annahme der eigenen Realität ja auch ein Stück der grundsätzlichen Ablehnung der anderen Innens mit ihren Geschichten. Man schafft parallel mögliche Welten und das halte ich persönlich für einen sehr wichtigen Schritt auf dem Weg der Heilung.

Das Ziel für mich ist am Ende zu wissen, was diesem Körper und Seelenanteilen angetan wurde und das im Bewusstsein so zu verarbeiten, dass wir damit ein gutes lebenswertes Leben führen können. Der Spagat gelingt mir, glaube ich, genau über das, was du beschreibst – Dass ich meine Realität parallel zu den anderer Realitäten in mir gleichberechtigt als wahr annehme und dennoch alle anderen Realitäten gleichzeitig auch als Wahrheit zu diesem unserem Leben gehören. Also vielleicht in etwa so: „Ich konnte mich lange Zeit nicht mehr an die erlittene Gewalt erinnern und musste sie vergessen, weil ich sonst nicht im Alltag weiter leben hätte können. Meine Lebensrealität hat sich in vielen Ausschnitten deshalb ganz anders dargestellt, als das, was ich heute auf den inneren Erinnerungsbildern klar vor mir sehen kann. Dennoch weiß ich jetzt, was uns angetan wurde und erkenne das als Wahrheit an, dass wir gemeinsam davon heilen können.“

Ich hoffe, ich kann es mir nun dauerhaft merken, oder zumindest immer wieder neu erinnern, um die nächsten Kämpfe und die Zweifler Aussagen ruhig zu stellen. Und vor allem um dauerhaft zu akzeptieren was diesem Körper und den Einzelnen hier passiert ist ohne dabei selber zusammen brechen zu müssen.

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2 Gedanken zu “Akzeptieren der Vergangenheit

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