Scham

Dieser schimpfende, alles in den Dreck ziehende, nicht glaubende Zweifler-Täterintrojekt-Anteil verhinderte in der letzten Therapie den Kontakt zu anderen, weil „es diese ja nicht gibt, sie Humbug sind und DIE sich diese nur ausdenkt!“. Er durfte nicht raus, ich wäre glaub ich sonst durchgedreht. Also sollte ich aussprechen was er sagt, während die Thera ihm Fragen stellte. Das war aber ein Problem, denn irgendwie konnte ich nicht mehr so richtig verstehen was sie sagt und mir nicht lange genug merken was er antwortet, um es ihr abgepuffert weiter zu sagen.

Irgendwer grinste wieder über beide Ohren und ich versank fast im Boden vor Scham und Unglauben und Angst… Denn was er sagte war nicht gerade leicht für mich es nach außen zu lassen. Angst sie (die Thera) glaubt uns eh nicht, Angst sie hält mich doch für verrückt und denkt, ich schauspielere das alles doch nur, um mich irgendwie zu (keine Ahnung?) zu beweisen oder wichtig zu tun, oder weiß der Keks! Dieser ständig grinsende Jemand in uns, der mich gemein auslachte, machte es auch nicht gerade einfacher. Und ja der (oder sie?) ist so Schadenfroh! (Ich glaube es ist ne sie, fühlt sich wie meine Mutter an.) Das verunsichert so sehr, und ich denke, wenn die Thera es sieht, denkt sie ich verspotte sie bloß! Nicht gerade witzig, wenn diese Angst im Nacken so groß ist. Und dann noch „mein(?)“ Unglaube, dass es ne echte Stimme und Person ist und nicht doch tatsächlich etwas ausgedachtes, wozu auch immer das gut sein sollte.

Raus aus dem Raum, raus auf die Straße… Gott, war es „mir(?)“ peinlich! Die Scham so groß! Und wieder mal die Gedanken nie wieder der Thera unter die Augen treten zu können, die Therapie abbrechen zu müssen… „Was fällt dir ein dich so zu benehmen? Wer soll denn so etwas glauben? Du bist doch verrückt! Schämen solltest du dich! Schämen solltest du dich! Das ist so peinlich!“

Wut!!!

Ich ging immer langsamer, alles tat mir weh! Ich konnte nicht mehr, ich dachte ich schaffe keinen Schritt mehr zu tun, muss mich setzen, egal wo hin. „Ich bringe es dir bei dich zu schämen! Ich zeige dir was es heißt sich zu schämen!“ Meine Nieren, Rücken, Milz… es war als hätte jemand gegen getreten, alles tat weh! Ich dachte gleich geht nichts mehr, die Tränen liefen…

Da hielt ein Auto neben uns an auf dem Fußweg. Erschrocken dachte ich fast… aber es war mein Mann, der uns abgefangen hat. Wortlos stieg ich ein, schrie vor Schmerz auf… dankbar sitzen zu können… voller Wut, voller Schmerz… Plötzlich wurde mir klar, diese Schmerzen – das ist wohl so ein Körper Flashback. Und dann wieder diese Sätze im Kopf „Ich bringe es dir bei dich zu schämen“ … Tränen… Ja, keiner darf diese Dinge mitbekommen! Keiner darf etwas darüber hören! „Du kannst doch nicht so ein Blödsinn erzählen! Das glaubt dir keiner! Die halten dich für verrückt! Schämen sollst du dich! Schäme dich! Ich bringe dir bei wie man sich schämt, wenn du es nicht selber weiß!“

(Selbst jetzt beim schreiben zittert der Körper wieder, mein Mann fragt was los ist, denn es bibbert heftig!)

Aus dem Auto aussteigen? Es ging nichts! Tränen, Starre, Tunelblick. Mutter brachte ihr bei sich zu schämen! Und nie wieder auch nur den Mund zu öffnen, um Dinge aus dem Innen im außen zu zeigen! VERBOTEN! Nichts darf von niemanden gesehen oder gehört werden! „Wie kannst du nur? Schande über dich! Wie kannst du es wagen! Unverschämt! Schämen sollst du dich! Schämen sollst du dich!“ Und jedes Schämen muss mit Schlägen bekräftigt werden, damit wir verstehen und lernen was sich gehört und was nicht! …

Von Außen nicht wirklich etwas mit kriegend! Er (mein Mann) hat sicher was gesagt, nur weiß ich nicht mehr was, falls ich es überhaupt hörte. Mehr als ne Stunde saßen wir in dem Auto, fast bewegungslos und nicht in dieser Welt… Unser Mann geduldig wartend oder was auch immer sprechend…

Wir hatten noch nichts gegessen und in zwischen war es schon dunkel. Kurz spürte ich Hunger aber ne Stimme verbot etwas zu sagen. Mir war klar ich bin jetzt nicht in der Lage zu kochen oder irgendwohin zu gehen, um was zu kaufen. Aber diese Stimme verbot mir das Sprechen „Halt bloß dein Mund, wage es nicht, wage es ja nicht zu sprechen! Schäme dich! Du hast es nicht verdient zu essen! Das Essen wäre zu Schade für dich! Das hast du nicht verdient! Du bist nur Dreck! Und du willst es auch noch, daß er was für dich tut? Das bist du nicht wert! Schämen sollst du dich! Schämen muss du dich!“ – „Dann ist heute nichts mit essen! Ja ich habe eh keinen Hunger! Ich brauch nichts! Mir doch egal! Dann esse ich halt nichts!“ Weg war er, der Hunger! So einfach ist das!

Sich zu lösen aus diesem Zustand… zu begreifen was da abgeht… zu begreifen ich darf ihn fragen, ob er uns vielleicht etwas geben kann… uff, schwer! … Nur nichts verlangen. Nur nicht lästig sein, bloß keine Arbeit machen, keine Last sein. Still und leise um Gnade bitten vielleicht, aber mehr? Nein bloß nicht. Das haben wir nicht verdient, das steht uns wirklich nicht zu! Nein wirklich nicht!

Aber irgendwer traute sich dann doch irgendwann ganz leise zu bitten und zu fragen, sehr ängstlich. Und nur wegen dem guten Zureden von mein Mann. Er brachte uns in die Wohnung und ging los, um uns essen zu holen: Nudeln mit Soße. Bis er zurück kam… tja was machten wir so lange? Weiter gestarrt und geweint? Ich weiß es nicht. Aber das Essen erinnere ich wieder. Und danach war alles wieder okay.

Als mein Mann später fragte worum es in der Therapie ging, ob es um die Angst vor der Klinik ging, konnte ich nicht so wirklich antworten. Heute weiß ich, es ging auch darum, ja. Aber das war nun nicht der Grund für diesen Flashback, denk ich jedenfalls. Die Therapeutin stellte ja Fragen an „ihn“. Aber ich weiß nicht so recht welche, das erinnere ich nicht mehr. Denke es ging um „seine“ Aussagen… Ach doch jetzt: sie fragte was P. ihn fragen würde… Aber ich erinnere weder „meine“ Antworten noch was sie sagte. Was mir aber noch einfällt ist, dass ich sagte, sie soll langsam und einfach reden, weil sie nicht verstanden wird von ihm und auch von mir nicht… echt, mehr weiß ich nicht.

Egal! Wieso schreib ich das auf? Sag ich euch. Ich fand das alles echt krass, aber habe es dann wieder voll vergessen. Den Tag drauf machte die Kostenübernahme Ablehnung auch so viel Chaos hier. (Da war Essen dann übrigens auch verboten und die erste Mahlzeit erst gegen 1 Uhr Nachts…) Alles echt vergessen! Aber eben hab ich bei Birke gelesen und musste dann hier wieder dran denken. Habe daher spontan  geschrieben, mit dem Hintergedanken ihr das zu erzählen, weil es so irgendwie als Antwort passt, oder auch nicht, weiß ich auch nicht.

Verzeiht bitte meine Sprünge. Eben mit mein Mann geredet und der kam auch nicht mehr mit. Hier wird gerade ohne Punkt und Komma geredet, gedacht und thematisch gesprungen. 15 Minuten meines Redends und mein Mann ist gar nicht mehr mitgekommen und ist kaputt. Auch die Sätze hier waren selbst für mich beim lesen nur noch ne Lachnummer, weil die Sprünge so heftig, dass ich selbst nichts verstanden hab. Also erst mal korrigieren…

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7 Gedanken zu “Scham

  1. Ihr lieben, beim lesen bemerkte ich wie sehr ihr unter Druck steht und das tut mir leid für euch. Es klingt fast so, als stünde hinter dir dieser Zweifler der dir evtl sogar Erinnerungen schickt? Kann das sein? Also, so kenne ich das von uns derzeit. Erinnerungen, Flashbacks etc alles von einem gewissen System, weil Eule z.b das Schweigen brechen.
    Es ist gut, alles mal auszuschreiben und hoffe irgendwie konntest du ein bisschen den Druck verlieren und zu Ruhe kommen.

    Das Gedanke karussel mit der Therapeutin ohhhh ja das kennen wir nur zu gut. Dabei denke ich, dass es daran liegt, dass man darauf getrimmt wird, das andere Menschen uns sowieso nicht glauben. Folglich, glaube ich aber umso mehr, sie wird euch glauben und sie weiß ja von diesem Zweifler Anteil.

    Vielleicht wäre eine Möglichkeit dies nochmal mit ihr zu besprechen, welche Ängste du hast? Sei es über eine Mail oder in der nächsten Stunde? Ich denke, dass das wichtig wäre, damit sie über die Ängste/sorge bescheid weiß. Wir haben es damals beim Herr Therapeut nicht angesprochen, aus angst vor „er lässt uns alleine“, dann … wurde der Kontakt aber viel zurüxkgezogener. Im Endeffekt als man das hier angesprochen hat, fiel eine dermaßene Last runter und es war gut! Gut es anzusprechen, es beim Namen zu nennen.

    Ich denke an euch alle und schicke ganz arg viel Kraft und halte euch eine Hand die euch zusätzlich stützt, damit ihr ein wenig zu ruhe kommen könnt. Wir sind da. Jederzeit. Ganz arg liebe Grüße. 💗

    Gefällt 2 Personen

    • Danke euch ihr Lieben.
      Ich weiß nicht ob es der Zweifler ist. Mir scheint es eher der Flashback kommt, weil wir geredet haben. Entweder von der die es so unglaublich peinlich findet und sich so schämt, oder von dem Mutterintrojekt und der Wut, weil die so böse auf uns ist, weil wir erzählten. Und ich denke es ist die „Mutter“ die schon während der Therapie so schadenfroh lachte. Weil der Zweifler scheint ja männlich zu sein und im Flashback kommt kein Mann vor. Mir ist, als ginge es gar nicht um ihn, nur um das Reden, das verboten ist…

      Ja nach dem anschreiben direkt war der Druck weniger. Ein fröhliches kleines Kind kam und sang und blödelte mit mein Mann. Aber dann… ich weiß nicht was da nach war. Die Nacht wurde wieder exzessiv Spiele gespielt bis fast zum Umfallen und erst ins Bett gegangen, wo mein Mann aufstand. Ich bin so kaputt heute…

      Tut mir leid, dass ihr diese Gedanken auch kennt. Der Therapeutin verschweige ich das nicht. Ich weiß es ist wichtig, dass sie Bescheid weißt, damit sie richtig helfen kann. Nur die paranoiden unter uns verschweigen alles mögliche, ich versuche die Angst mit Verstand außer Betrieb zu setzen. Gelingt nicht immer leider, aber ich versuche es, weil, wie ihr sagt, es ist echt wichtig.

      Danke euch von ganzem Herzen für dieses liebe Kommentar.
      Wir wünschen euch auch gaaaanz viel Kraft und Schutz 💖
      Liebe Grüße

      Gefällt 1 Person

  2. Liebe Vergissmeinnicht. Nochmal Danke… Es ist so unfassbar, zu lesen wie etwas „eingeprügelt“ zu sein scheint… Ich selbst erinnere keine Schläge in der Kindheit, auch außer vereinzelt in Flashbacks NULL Kommunikation mit meinen Eltern… Deine Schilderungen ermöglichen mir, zu verstehen, wenn ich es auch emotional überhaupt nicht greifen kann… zu gruselig… zu „groß“… zu unvorstellbar… einfach grausam… Tut mir leid, dass ihr diese Worte hörtet…

    Gefällt 2 Personen

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