Schwieriges Thema

Es ist für ein Kommentar viel zu viel geworden, also machen wir daraus einen eigenen Beitrag. Als Antwort auf den Beitrag von https://ueberlebendlebendlebendig.wordpress.com/2019/10/31/ein-schwieriges-thema/

Ein Thema, über das auch ich mir des öfteren Gedanken mache.
Was macht ein Opfer zum Täter oder zum Nicht-Täter?

Unsere Mutter wurde Opfer und Täter im Erwachsenen Leben.
Wir waren Opfer und waren Täter als Kind aber nicht als Erwachsene.

Manche sagen es sei eine persönliche Entscheidung.
Wir haben diese nicht bewußt getroffen. Jedoch sind in uns, trotz vorhandenen Täterintrojekten (die da ganz anders denken) die meisten regelrecht „allergisch“ auf Ungerechtigkeit, Gewalt, Betrug, s*x. M. Bei uns gibt es im Heute tatsächlich auch Mitgefühl zu anderen Menschen und das Wissen darüber wie sehr man darunter leidet. Und ich weiß, dass zumindest eine von uns, die als Kind ohne Anweisung und Anwesenheit von Tätern, einem anderen Kind in s*x. Weise weh tat. Doch – als das Kind zu weinen begann, da hörte sie auf – ich weiß nicht ob es aus Angst war erwischt zu werden, oder ob da eine Vorstellung von Schmerz und Mitleid war, aber ich denke es war ersteres.
Nur zeigt auch das, dass selbst ein Kind eine gewisse Vorstellung von gut oder böse haben kann, trotzdem es selbst Opfer ist.

Ja, kann natürlich trotzdem an Kontext liegen – keine Ahnung. Wir glaubten ja an Gott und mussten in die Kirche gehen…
Nur diesen Aspekt gab es auch bei unserer Mutter.

Was Gene angeht ist es auch nicht so viel anders da Gewalt von beiden Eltern ausging.
Vielleicht ist es davon abhängig was man sonst so alles erlebt hat und ob man das als schmerzlich empfunden hat oder alle Gefühle abgespalten waren?

Ihr sagt, ihr fühlt da nichts. Aber ihr habt ein Wissen darüber erlangt, was strafbar ist. Und ihr habt als Erwachsene nicht als Täter gehandelt sondern als Kind und Jugendliche im Zusammenhang zu Täter induzierten Willen.
Ich glaub, da ist der Hund begraben. Das was als Kind und Jugendliche geschah war ohne diesen Wissen geschehen. Ihr meintet, es ist normal, weil ihr es nicht anders kanntet und die Täter tun viel um Anteile überhaupt so weit zu bekommen anderen Dinge zuzufügen.
Mit dem Wissen und als Erwachsene habt ihr das nicht machen wollen. Haben wir das richtig verstanden? Ihr habt kein Interesse und keine Freunde am Leid anderer gehabt von euch selbst heraus bzw von dem Großen Teil von euch?

Wir kamen erst mit 27 (oder so) in Therapie aber wir hatten als Erwachsene nicht nach Gelegenheiten gesucht andere in dieser Art zu verletzen, solches Interesse und Vorstellungen gab es nicht bei mir als Anteil und ich weiß nichts darüber, dass da je was passiert ist. Bei uns war es eher so, dass wir selbstverletzend agiert haben.
Unsere erwachsene Mutter dagegen ließ Anteile von sich in dem Bereich agieren und diese hatten sichtbare Freude am Sadismus. Auch bereicherte sie sich durch Gewalt an uns. Sie hat bis heute, trotz Wissen über Strafbarkeit, und gut und böse (immer noch Kirchengängerin) Sadismus Aktionen zumindest an Tieren (und versucht auch an Kleinkinder) nicht sein gelassen. Und da gibt es durchaus Anteile mit Mitgefühl in ihr.

Ich frag mich daher oft, was hat sie zum Täter gemacht, mich/uns aber nicht, trotz ähnlichem Kontext.
Ich versuchte es mit der DIS und Blackouts zu erklären, doch dafür müssten im Grunde zu mindestens 70% des Tages bei ihr Täterintrojekte an der Front gewesen sein. Das ist in meiner DIS Verständnis eigentlich nicht der Fall.

Es gibt eine Metapher, dass der Mensch zwei Wölfe in sich hat. Ein guten und ein bösen. Es gewinnt der, den man am meisten futtert. Vielleicht ist es keine bewußte Entscheidung, aber trotzdem irgendwie eine Entscheidung darüber was einem wichtig ist, was einen bewegt, wie man denkt über Dinge, mit welchen Menschen man sich abgibt und eher wohl fühlt?
Jeder Mensch hat auch ein angeborenes Gewissen. Ja, dieses kann abstumpfen dank Umfeld und Erlebtes, aber ganz sicher nicht vollständig. Etwas in einem weiß es war verkehrt und man fühlt sich nicht wohl damit.

Ist man gezwungen es trotzdem zu tun – so ist es nicht völlig entschuldbar, wenn man nicht versucht dieses zu umgehen (zum Beispiel als Erwachsene weg zu laufen, zu versuchen rational zu sein), aber man würde es doch deshalb auch nicht gleich mit Freuden tun nur, weil man keine andere Wahl hat! Und man würde es nicht freiwillig machen.

Diese Erwachsenen Täter haben auch das Wissen über Strafbarkeit, weshalb sie alles tun, damit die Tat nicht ans Licht kommt. Das ist etwas durchaus bewusstes – denke ich. Wir haben jedenfalls ja auch Täterintrojekte und wenn diese nah vorne sind und da ein Kind ist – das möchte gern Opfer werden soll- dann wollen die es ins Verborgene locken, keiner soll etwas sehen, es ist dem schon klar, dass das niemand sehen darf.

Ich weiß um den Anteil und sehe zu, dass ich niemals mit Kindern alleine bin! Würde mir das niemals verzeihen können, sollte etwas passieren, würde lieber freiwillig ins Knast gehen.

Kann es sein, dass unsere Mutter wirklich nichts von ihren Täterintrojekten weiß? Heute sind die wohl nicht so viel vorne, gibt ja auch nicht dauernd Opfer in der Nähe. Heute hat auch sie Flashbacks und ist viel verwirrt. Und damals? Wenn die dafür sogar Geld kassiert hat? Kann die DIS einen garnichts davon wissen lassen?

Es ist schwer Antworten auf solche Fragen zu erhalten. Aber was ich von Tätern an unserem Körper erinnern kann ist, dass die regelrecht nach heimlichen Möglichkeiten für ihr Handeln suchten, diese selbst schafften, manipuliert haben, betrogen, gelogen und absichtlich wirklich grausames taten.

Ich weiß, dass ich nicht mal lügen kann, dass ich mich nicht mal wehren kann und auch niemand schlagen könnte – ich als Anteil zumindest. Und ich bin meist vorne. Ich suche nicht nach Möglichkeiten sondern will diese verhindern und verabscheue so etwas. Die in uns, die Schmerz lieben und diese Gewalt an sich oder anderen toll finden, die kann ich kaum annehmen – wegen Fachbücher irgendwie theoretisch zwar verstehen, aber ich verabscheue dies ob als Taten an nicht-uns oder auch an uns selbst, da ich auch sehen kann was es mit anderen in uns macht und mit dem Körper und das ist nicht gut.

Vielleicht hängt alles von der Einstellung dessen ab, der am meisten vorne ist? Aber selbst dann ist es eine gewisse, nicht bewusste Entscheidung – oder nicht?
Umstände und Umfeld kann man bewußt verändern als Erwachsene Person. Als Kind und Jugendliche natürlich nicht. Und das ist ein gravierender Unterschied.

Man kann es erklären und verstehen – aber nicht entschuldigen nur weil man selber Opfer war – denke ich. Und ich denke jeder sollte für seine Taten als Erwachsene Person, Verantwortung übernehmen in diesem Sinne.
Das ist als Kind aber nicht möglich und als Jugendliche auch nur selten. Gerade wenn man in Täter Umgebung ist und das auch noch unter Manipulation und Überlebensinstinkt passiert.
Das muss man unbedingt unterscheiden.

Klar kann man auch Erwachsene manipulieren, erst recht wenn diese aus solchen Hintergrund kommen und Opfer waren und nicht mal mitbekommen dass heute alles anders ist. Da kann man ja auch Milde walten lassen wenn da wirklich keine Chance war daraus zu kommen, man vielleicht mit dem Leben eigener Kinder erpresst wurde… Aber in dem Fall sucht man auch nicht nach Möglichkeiten für die Straftat, sondern nach Auswegen.
Da ist also schon auch ein eigener Wille.
Verantwortung sollte man als Erwachsener aber dann auch übernehmen. Bereuen, sich entschuldigen, Wiedergutmachung versuchen.

Keiner der Täter an uns, hat das je getan, auch nicht Mutter. Denen ist immer noch Verschleiern, Abwehren, eher uns als verrückt anklagen als jemals zu zugeben dass sie schuld sind – wichtiger. Wahre, selbst erwählte Täter, die nur an sich denken und niemals an andere. Denen das eigene Vergnügen und Vorteil wichtiger ist als alles andere. Ohne Reue, ohne schlechtes Gewissen zu haben. Sich selbst im Recht sehend nach Ausreden suchend falls vertuschen nicht mehr möglich ist.

Während unsereiner noch heute schlechtes Gewissen wegen einer Tat als Kind hat, das im Verhältnis zu deren Taten vor Gericht nicht mal als erwähnenswert gelten würde (in unserem mir bekannten Fall). Man sich diese nicht verzeihen kann, sich als Monster sieht und das Böse pur (keine Ahnung weshalb, vielleicht ist da mehr als ich weiß). Überlegt, wie man dieses Kind wieder finden könnte um es wieder gut zu machen, um Verzeihung zu flehen…
Und auch freiwillig Strafe anzunehmen…

Ich denke schon, dass es selbst an Jugendlichen sichtbar werden kann, wie sie da denken, ob Reue da ist oder Mitgefühl, ob sie es gern machen oder nur weil man das so macht/machen muss. Obwohl bei Opfer Kindern und Jugendlichen vieles nicht so läuft wie bei nicht Opfern – wo natürliche Gefühle nicht gefühlt werden können oder verdreht wurden.
In Therapie kann man versuchen da was zu tun, und wenn es nur zu erst über Wissen geht und nicht fühlen. Oder darüber, dass man Kontakt zu fühlenden Anteilen herstellt – keine Ahnung wie das gemacht wird…

8 Gedanken zu “Schwieriges Thema

  1. Liebe Vergissmeinnicht, auch mir geht es so, dass ich hier nicht alles unterbringen könnte, was zu diesen aufgeworfenen klugen Fragen und versuchten Antworten – zu erwidern oder beizutragen wäre. Deshalb werde ich auch in einem eigenen Beitrag dazu etwas mitteilen.
    Ich finde es unsagbar gut, solche wichtigen Fragen gerade bei DIS und Co, aber auch bei anderen Täterkonstellationen – zu stellen und zu versuchen ihnen auf den Grund zu gehen. Nicht weil die Schuldfrage allein das wesentliche daran ist, sondern weil die Opfer (und damit auch ihre Heilung damit zusammenhängt) bzw. die Befreiung vom Opferstatus damit zusammen hängt. Ich will nicht das Wort Vergebung hier verwenden (es ist zu einseitig in den Köpfen verankert) aber mehr Bewusstsein, mehr von den Mechanismen, die Menschen zu Tätern werden lassen zu verstehen, ist sehr hilfreich dabei.
    Danke für Deine guten Fragen und Deine Gedanken, die Du hier stellst und zu Erweiterungen führen können wenn wir uns nicht dafür verschließen.

    Gefällt 1 Person

  2. Ich finde das Thema so wichtig. Sollte noch jemand bei sich im Blog dazu was schreiben wollen, könnt ihr bitte die Links dazu hier posten?

    Vielen Dank

    Zu Info: @Ueberlebendig haben bei sich im Blog kommentiert (mit einer wirklich tollen Antwort) und wir haben da auch wieder drauf geantwortet.

    Liken

  3. Wir haben über dieses Thema schon sehr häufig nachgedacht und erst gestern mit dem Therapeuten darüber geredet. Wir selbst sehen uns als Täter und fühlen uns schuldig für alles, was wir tun mussten. Das alles geschah zwar unter Zwang und wir hatten keine wirkliche Wahl, aber trotzdem war es nicht richtig was wir getan haben und wir schämen uns sehr dafür und wünschten wir könnten all das ungeschehen machen. Wir sind mittlerweile 26 Jahre alt und demnach erwachsen, zumindest auf dem Papier. Auch heute stecken wir noch in einer solchen Gruppierung drin und werden gezwungen solche Dinge zu tun, die wir selbst nicht tun wollen. Da stellt sich jetzt die Frage, ob wir trotzdem voll verantwortlich dafür sind oder ob das wirklich nur programmierte Verhaltensweisen sind, gegen die wir nichts tun können. Die Helfer sagen, dass wir bzw. jene Innenpersonen keine Wahl haben, weil sie sonst selbst sehr hart bestraft werden würden. Einige unserer Kinder haben sogar Angst ins Gefängnis zu kommen und fragen dann immer wieder, ob wir wirklich nicht eingesperrt werden. Wir sind ja in Therapie und arbeiten am Ausstieg und wollen auch weg von all dem. In unserem “normalen” Leben würden wir auch nie jemanden absichtlich weh tun, wir haben als Kind manchmal unsere kleine Schwester geschlagen und das bereuen wir bis heute zutiefst. Dafür machen wir uns selbst heute noch so große Vorwürfe, weil das einfach nicht okay war. Wir haben das ja “freiwillig” getan ohne dass uns jemand dazu gezwungen hat und das wiegt dann nochmal schwerer irgendwie was die Sache mit der Schuld anbelangt. So oder so ist das ein sehr schwieriges Thema für uns. Ich finde es aber generell wichtig, dass man das für sich selbst reflektieren kann. Das können die meisten Täter ja nicht und lernen es auch nie. Das ist bei unserer Familie z.B. auch so. Da wird eher bagatellisiert oder verleugnet. Keiner von denen würde je auf die Idee kommen sich zu entschuldigen. Naja.

    Liebe Grüße

    Gefällt 1 Person

    • Wir haben gerade so viel geschrieben und alles ist weg…
      Möchten euch sehr danken für diesen Kommentar.

      Wir sehen das wie euer Therapeut. Etwas tun zu müssen, weil man gezwungen wird und womöglich sogar das eigene Leben auf dem Spiel steht, falls man sich weigert – das ist eher Opfersein.
      Täter handeln aus eigener Absicht, nicht weil sie dazu gezwungen werden. Manche bezahlen Geld um an Opfer( Kinder) zu gelangen, andere entführen welche, überfallen welche oder erschleichen sich Vertrauen Erwachsener um an ihre Opfer zu kommen. Sie betrügen, manipulieren, drohen, verschleiern… Das sind Täter, sie handeln aus sich selbst heraus.

      Kinder und Erwachsene kann man nicht vergleichen. Das Gehirn ist frühstens mit 18 voll entwickelt. Kinder können nicht alles verstehen, bewerten und Lösungen suchen wie Erwachsene es können.
      Kinder ahmen Erwachsene aus ihrer Umgebung nach, spielen Dinge nach, oft ohne zu wissen was sie da wirklich tun, welche Folgen das haben kann, was es bedeutet…
      Wenn sie auch noch Opfer sind, und deren Vorbilder Täter, dann tun sie auch Dinge nachahmen, für die sie sich als Erwachsene selbst verurteilen, weil sie erst dann begreifen was sie getan haben.
      Und wenn man bedenkt, dass sie selbst enorm leiden und instinktiv verarbeiten versuchen ohne zu wissen was sie da tun – dann sollte man eher Mitgefühl dafür haben und Verständnis, statt das zu verurteilen.

      Wir verstehen nur zu gut diese Schuldgefühle, aber ihr verdient Trost, Hilfe und Mitgefühl. Euer bereuen zeigt wie ihr gestrickt seid ❤

      Wir senden euch ganz viel Kraft und wünschen Erfolg beim Ausstieg

      Gefällt 1 Person

  4. Pingback: Warum (bin ich) Opfer und nicht Täter? – Drachenkinders Reise

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