BdM November: Zu Hause, Heimat

Hmm, ich las bei den anderen zu dem Thema und dachte, bei uns ist der Begriff „zu Hause“ sogar schon ein Trigger! Es bedeutet für die meisten von uns Angst pur…

Aber im Kopf kam so ein Spruch beim Lesen: Zuhause ist… wo LIEBE ist – Nutella, Bahlsen, oder was war das noch?

Also suchte ich im Netz diesen Werbeslogen und fand das hier:

Zuhause ist… wo die LIEBE wohnt.

ERINNERUNGEN geboren werden, FREUNDE immer willkommen sind und jederzeit ein LÄCHELN auf dich wartet.

Oder:

Zuhause Ist Wo Die Liebe Wohnt – Wo Gelacht, Getanzt Und Geträumt Wird; Wo Schöne Momente Geteilt Werden Und Wo Freunde Immer Willkommen Sind!

Emm, dem nach hatte ich nie ein Zuhause? Also im Damals ganz sicher nicht, wobei „ERINNERUNGEN“ sind wohl schon noch entstanden, auf die ich jedoch nur bedingt Zugriff hab – ihr wisst schon. Wo es keine FREUNDE gab die man hätte Willkommen heißen dürfen. Wo statt des LÄCHELN, Gewalt auf uns gewartet hat. Und wo höchstens andere lachten, wo einzelne von uns aus Gründen tanzten, wo wir uns höchstens ganz wo anders hin geträumt haben. Wo Schöne Momente nur den Tätern gehörten und nur solche willkommen waren…

Verkürzt ist unsere Definition also eher das:

ZUHAUSE ist… Wo Gewalt wohnt. TRAUMEN geboren werden, TÄTER immer willkommen sind und die PEITSCHE auf dich wartet.

ZUHAUSE ist… Wo Gewalt wohnt. Geweint, erstarrt und dissotziert wird; wo brutale Ewigkeiten dich spalten und Täter immer Willkommen sind!

Wir fanden aber auch das:

Zu Hause ist nicht da wo der Schlüssel passt, sondern da, wo das Herz sich wohl fühlt.

Und

Was ist Liebe?

Wenn Zuhause kein Ort ist, sondern eine Person.

Also im Heute, da kann man schon sagen da gibt’s so ne Person-unseren Mann nämlich. Nicht für uns alle ist er Liebe, und auch nicht immer, aber ja doch im großen und ganzen schon.

Langes Intro! Aber nun, als wir die Frage zu erst gelesen haben, hätte ich nicht mal sagen können was ein Zuhause denn ist. Oder was ist denn Heimat?

Im ernst, auch das hab ich eben gegoogelt. Und hmm, ja, gibt wohl keine genaue Definition des Begriffs, aber so Richtungen. Der Ort wo Mensch hinein geboren wird. Und in dem die frühesten Sozialisationserlebnisse stattfinden, die zunächst Identität, Charakter, Mentalität, Einstellungen und Weltauffassungen prägen.

Demnach hat natürlich jeder eine Heimat. Nur… wenn es eine Heimat sein soll, in welcher der Mensch Sicherheit und Verlässlichkeit seines Daseins erfahren kann, sowie ein Ort tieferen Vertrauens – dann muss ich doch wieder passen. Dann haben wir auch keine Heimat. Ziemlich doof aber auch!

Was sagt denn unser Gefühl dazu? Das wo wir hinein geboren wurden war nicht ein Ort der Wärme. Es war ein Ort den wir nach Möglichkeit gemieden haben. Jede freie Minute waren wir lieber draußen. Das rufen der Mutter nach einen unserer Namen machte, dass sich der Bauch umdrehte und das Herz rasste. Im besten Fall war man unruhig, im schlimmsten gab es Panik oder wir haben uns sogar versteckt. Leider war die Angst nicht zu gehorchen noch größer, weshalb wir früher oder später das Versteck verlassen haben und in die Höhle der Löwin gegangen sind.

In der zweiten Wohnung der „Heimat“ – wie und wann auch immer dieser Umzug geschah (da gibt es 0 Erinnerungen an diverse Jahre), war es bissel anders, waren ja älter, aber so besser leider nicht. Wir litten wohl sehr unter der Löwin, sonst hätten wir nicht weglaufen wollen (nee wir haben es an dem Tag, wo wir es fest beschlossen hatten nicht geschafft…)

Noch heute springt das Herz in den Hals vor Schrecken, wenn ein Schlüssel in der Eingangstür für uns hörbar wird.

Eine Imagination Übung von Huber, die ich im Vertrauen auf das Wissen von ihr probieren wollte, haute uns aus den Latschen. Denn wir sollten da „nach Hause gehen“ oder so! Gott hat das gescheppert! Aus Angst wurden Tränen, aus Tränen so ne mega Wut auf diese Frau, die sich doch angeblich soooo gut mit DIS auskennt…

Wenn nicht ich, sondern die Kleinen vorne sind, hat Mann Schwierigkeiten uns wieder nach Hause zu bekommen. Die wollen nicht, lieber trotz Müdigkeit noch weiter spazieren, oder lieber sich draußen setzen, im Auto bleiben oder dann auf der Treppe – egal, Hauptsache NICHT NACH HAUSE! Da werden sie ängstlich, traurig, manche panisch, andere weinen, welche werden bockig und itzig oder so richtig wütend… Oder erstarren, oder würden alles mit sich machen lassen und fragen ihn was er wünscht…

Nee keine gute Heimat, kein Zuhause im Damals. Außer wir passen die Definition auch hier an:

HEIMAT ist der Ort in das du hinein geworfen wirst, in dem dir beigebracht wird eine heilige Hure zu sein, wo deine Identität in Tausend Stücke gespalten wird und du keine Meinung haben darfst. Wo du lernst dass schwarz weis ist und gut ist böse ist und die Welt dich verschlingt. Ein Ort wo du immer nirgends sicher bist, niemandem glauben darfst, dir keiner hilft und du niemanden vertrauen darfst; wo du nicht mal existierst und dir keiner glaubt.

Auch die Gegend wo wir in Deutschland als erstes wohnten macht Angst… Wir wollen an manche Orte nicht hin aus Angst, dass dort weiß der Geier was passiert. Vermeidung pur, doof nur, dass ne gute Therapeutin da in der Nähe ne Praxis hat (sind da auf Warteliste), keine Ahnung…

Ja und umgezogen sind wir dann hier auch so einige Male, ich glaube 7 Mal… Davon aber nur die letzten beiden Male aus eigenen Stücken. Nee, ja, nicht so ganz aber irgendwie dann ja schon. Ist klar, nee? Oh, man!

Das vorletzte mal war die erste wirklich eigne Wohnung. Ein Ergebnis einer Flucht aus einer nicht wirklich guten Beziehung in die wir nicht freiwillig gezogen sind, sondern gezwungen waren mit diesem Menschen zusammen zu ziehen… Ne auch kein Zuhause laut den Sprüchen oben.

Die eigene Wohnung – ein kalter Ort laut meiner Erinnerung. Viel waren wir da auch nicht, denn wir haben gearbeitet und nebenbei „gearbeitet“. Wir haben da mehr in „Lokalen“ übernachtet als da Heim. Und waren wir doch mal da Heim, dann waren wir entweder krank, oder hatten Besuch – der selten gut für uns war. Und doch es gehörte uns.

In einen der „Lokale“ lernten wir R. kennen… Mit ihm zogen wir in die jetzige Wohnung. Und er suchte diese aus. Sie ist nicht das was wir gerne hätten. Wir würden so gerne umziehen… Am besten in eine Wald-Hütte fernab von Menschen und Krach. Aber hey – wir haben nicht mal die Kraft was zu suchen. Und auch viele Argumente dagegen, ja auch dafür, aber wir können uns nicht vorstellen das zu schaffen. Unser Mann – nein das ist nicht R., das ging ja nicht lange gut – der ist leider auch schon seit 4 Jahren krank und hat auch nicht so wirklich die Kraft für Umzug.

Somit ist der Ort zuhause so ne Sache. Wir fühlen uns hier nicht wirklich wohl, aber nun…

Müsste man einen Ort als Zuhause nennen, dann wäre es die Natur, denn da gibt es zumindest Ruhe und Frieden und ein gewisses Wohlfühlen.

Doch wenn Zuhause die Person ist, die uns liebt, dann haben wir wohl jetzt doch ein Zuhause. Also ja, theoretisch ein fast Happy End. Wäre da nicht ständig dieser Satz in uns „ich will hier weg, ich will nicht mehr, ich kann nicht mehr“.

Weil… Die meisten von uns wollen dieses Leben nicht, ertragen es nicht. Positives gibt es für die meisten hier nicht. Richtiger wäre wir sehen bzw. fühlen es nicht vor lauter Schmerz in uns.

Das liegt aber nicht an unserem Mann, er ist wirklich ein sehr lieber Mensch. Auch nicht unbedingt daran, dass es keine anderen netten Menschen geben würde in unserem Leben, nee, die gibt es.

Es liegt wohl wirklich an uns, weil wir das gute und die Freude nicht fühlen oder sehen (also manche von uns können das, aber das nutzt mir und anderen ja trotzdem nichts). Es ist echt, als gehöre man nicht mal in diese Welt!

Wir wollen in dieser schrecklichen Welt nicht leben und auch nicht als unser Zuhause sehen. Wir wollen hier nicht sein! Da könnten wir glaube ich auch in der schönsten wärmsten Wald Hütte der Welt leben und dieses Gefühl würde trotzdem nicht verschwinden. Klar unser Mann der hält uns hier quasi fest. Er ist der Anker hier. Und wo wir auch gehen, er müsste mit (sehen aber auch nicht alle so, denn man will ihm das nicht antun uns ertragen zu müssen zum Beispiel – aber ist ein anderes Thema…)

Vielleicht ist ja noch was da, was auch hier hält, unser Hund. Unsere Familie: Mann, Hund und wir, mit Gott im Bunde: die vierfache Schnur – das ist quasi unser Zuhause im Heute.

3 Gedanken zu “BdM November: Zu Hause, Heimat

  1. Tränen in den Augen, wie gut das von uns nachvollzogen werden kann!
    Danke für diesen so ehrlichen und offenen Beitrag……
    Am ehesten ist zu Hause die Natur……das ist auch bei uns so! Die Natur hat uns noch nie was böses getan, bat immer einen Zufluchtsort, hat uns mit dem Winde gestreichelt wenn wir uns so sehr nach Streicheleinheiten sehnten, hat mit uns geweint indem es regnete und hat uns im Wald unter Bäumen Schutz uns Sicherheit geboten……wenn wir je ein zu Hause hatten, dann war es die Natur!
    Wir unterschreiben echt alles was ihr geschrieben habt, bis auf den Mann 😉 den haben wir nämlich nicht 😉

    Gefällt 1 Person

Kommentar verfassen. Wenn du einen Kommentar schreibst, werden deine E-Mail-Adresse, dein Name, deine IP, der Zeitstempel und dein Kommentar gespeichert. Dein Name, die Webseite und dein Kommentar können von anderen Besuchern der Webseite gelesen werden. Wenn du "Benachrichtigung bei weiteren Kommentaren" anhakst, wird dies gespeichert und du erhältst entsprechende E-Mails. Mit dem Klick auf "Kommentar absenden" gibst du mir zur Speicherung und Verwendung für diese Zwecke die Erlaubnis.

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

This site uses Akismet to reduce spam. Learn how your comment data is processed.