"Böses muss es geben um Gutes zu schätzen" und die Liebe

Viele sagen man kann nur dann das Gute schätzen, wenn man das Schlechte kennen gelernt hat. Aber stimmt das wirklich?

Muss ich eine gammelige Pizza gegessen haben, um zu erkennen, dass die, die ich gerade esse gut ist? Oder erkenne ich erst nach dem Tod meines Ehepartners wie gut es war, als er noch da war?

Nein, unserer Meinung nach, ist es nicht notwendig das Schlechte zu erleben um das Gute zu schätzen. Das ist nur eine Erklärung die Menschen sich ausdenken, um mit den schlimmen Erlebnissen in ihrem Leben, irgendwie leben zu können. Eine Krücke so zu sagen, genauso wie der Spruch „ein paar Schläge haben noch niemanden geschadet“ oder so einige andere, die viele von sich geben…

Ja, das ist wirklich verständlich für mich, im ernst. Wie soll man denn sonst mit so manchem klar kommen was man als Kind erlebt hat, oder überhaupt mit dem ganzen Leid in der Welt. Da muss man doch beinahe daran glauben, dass das Leid und Schlechtes existieren muss, damit es auch Gutes geben kann. So wie der Gedanke an den Ausgleich, Licht und Dunkelheit, Gut und Böse, Positiv und Negativ, schließlich existiert das eine nicht ohne das andere… Oder doch?

Nein, ich wollte hier nicht philosophieren und auch keine Diskussionen religiöser Art anfechten. Aber wenn ich nichts Schlechtes erleben muss, um zu erkennen was gut ist, gilt das auch umgekehrt? Wenn ich z.B. nie echte Liebe erlebt habe, kann ich dann wissen wie es ist? Erkenne ich sie, wenn ich sie dann erlebe? Oder kann ich echte Liebe weiter geben, z.B. an Freunde, Partner oder meine eigene Kinder?

Ich glaube ehrlich gesagt, dass das tatsächlich geht. Denn eigentlich habe ich schon eine gewisse Vorstellung darüber was sich nicht gut anfühlt und was ich mir selbst wünsche, wie man mit mir umgehen sollte, damit sich das eben nicht so schlecht anfühlt. Also weiß ich zumindest in etwa, was gut sein könnte, oder?

Ich habe keine Ahnung wie wir an dieses Mitgefühl in uns gekommen sind, aber wir haben tatsächlich welches, auch wenn wir dieses nicht wirklich erlebt haben im Damals (zumindest weiß ich nichts von). Wir sind manchmal sogar in der Lage andere zu trösten und ich glaub, hätten wir ein Kind, könnten wir durchaus auch diesem Liebe geben. Unser Partner liebt uns (aus uns unerklärlichen oder besser nicht verständlichen Gründen) und wir scheinen ihm ebenfalls irgend eine Art von Liebe zu geben. Bei uns geht es keineswegs nur um Sex oder ein ausschließliches nebeneinander leben…

Aber wie kommen wir zu solchen Gefühlen? So wirkliches Wissen was Liebe ist, also wie es sich anfühlt, haben wir irgendwie auch nicht. Wohl eher so theoretisches Wissen wie es sein müsste für uns zumindest, oder was man so gelesen hat, oder gehört hat. Und trotzdem können wir es anderen geben?. Können wir echt und zwar wirklich echt – laut dem Gegenüber!

Unsere Umarmung gibt es in mehreren Varianten:

  • echte, tiefe und freudige – also voller Gefühl, ob Trost und Mitgefühl, Liebe, Freude über ein Wiedersehen.
  • so als ob – also der Form halber, weil es sich gehört, nichts sagend, nichts fühlend.
  • eine die man jetzt irgendwie ertragen muss und es kaum erträgt, aber durchhält – erstarrend oder schwitzend, wo man mit Fluchtgefühlen kämpft.

Interessant dabei ist, dass wir sowohl bei den anderen spüren können, wie deren Umarmung gemeint ist, als auch andere (zumindest die offenen, sensiblen Personen) spüren können, dass unsere Umarmung echt und liebevoll ist. Aber wieso ist das so, wenn wir so etwas doch nicht mal selbst erhalten haben als Kind? Oder haben wir es doch, nur weiß ich es einfach nur nicht?

Es gibt doch immer wieder so Gurus, die sagen, man kann nur andere Lieben, wenn man sich selbst liebt. Und hier muss ich doch echt mal fast aufschreien! Weil hey, in uns gibt es einen regelrechten Selbsthass! Und trotzdem können wir anderen Liebe geben, laut denen selbst aber auch laut dem Gefühl, der dann bei uns selbst irgendwie aufkommt. Und das check ich dann natürlich nicht. Liegt es an dem Viele sein, dass wir da ne Ausnahme sind? Oder ist unsere „zu anderen Liebe“ nur gespielt und nicht echt? Oder lieben wir uns trotz dem vielen Selbsthass und inneren Kampf doch? Oder ist diese Guru Behauptung nicht wirklich richtig?

Andere lieben, wie wir uns selbst „lieben“ – das wollen wir tatsächlich keinem antun, denn wir wollen andere nicht verletzen. Wir lieben die anderen lieber so, wie wir glauben dass Liebe ist, oder die meisten in uns (ne nicht alle, da stehen ja welche auf Dinge… das kann man ja normalen Menschen nicht zumuten) uns Liebe wünschen würden. Und ich glaube dieser Weg ist gut. In dem Sinne: behandle andere, wie du selbst behandelt werden möchtest (die besonderen oder Täter loyalen in uns mal außenvor genommen) und besser nicht nach dem Motto: liebe andere wie du dich selbst liebst.

Aber vielleicht sind diese Gedanken, nur die Gedanken eines Narren…

7 Gedanken zu “"Böses muss es geben um Gutes zu schätzen" und die Liebe

  1. Erst einmal möchte ich dir für deinen guten und aufrichtigen Beitrag bedanken. Ich kann deine Gedanken durchaus nachvollziehen.

    Da die meisten Punkte sich mit dem decken, wie ich denke, möchte ich nur auf den Punkt eingehen, den du gegen Ende herausstellst.

    Die Ursprungsaussage ‚Liebe deinen Nächsten wie dich selbst‘ ist weitestgehend ein ‚Liebe deinen Nächsten wie du dich selbst liebst‘ gemacht worden. Und in der Gesellschaft ist das emotional oftmals als ein ‚Liebe deinen Nächsten anstatt dich selbst.‘ ausgelegt worden.

    Damit wird ausgedrückt, dass die Selbstliebe etwas schlechtes sei.

    Die Ursprungsaussage wird durch verschiedene Texte aus den gleichen Quellen in die richtige Relation gebracht: Übersteigerte Selbstliebe – also Egoismus – lässt andere Menschen außen vor. Ein ‚gesundes‘ Maß an Selbstliebe jedoch ist angebracht.

    Diese sinnvolle Selbstliebe zeigt sich im Alltag daran, dass man für sich selbst Sorge trägt. Was bedeutet das?

    Selbstfürsorge – ich sorge für meine Bedürfnisse nicht nur rein mechanisch, sondern achte darauf, dass ich mich auch daran freue, was ich mir Gutes tue.

    Wenn ich im heißen Sommer ein Eis nur esse, weil der Körper eine Abkühlung braucht, wird mir das bei weitem nicht die Freude bereiten, wie wenn ich mir meine Lieblingseissorte mit meinem Lieblingsfrüchten und dem an Extras gönne, auf die ich so richtig Lust habe.

    Wenn jemand nun auch andauernd selbst nur diszipliniert (Ich sollte kein Eis essen weil…) oder gar heruntermacht (Boah! Ich bin so fett, ich darf kein Eis essen!), wird er sich selbst der daraus entstehenden Freude berauben. Und zudem denjenigen, mit denen er unterwegs ist sehr wahrscheinlich auch als ‚Spaßbremse‘ vorkommen.

    Ist es wegen dieser in Klammern stehenden Gedanken nun schlecht ein Eis zu essen? Sicher nicht von Grundprinzip her. Die Menge, die Regelmäßigkeit und der vernünftige Umgang mit sich selbst sind dabei entscheidend.

    Hierdurch wird vielleicht etwas klarer, dass mit ‚Liebe deinen Nächsten wie dich selbst‘ nicht gemeint ist andere so zu lieben, wie man sich gerade im Moment selbst ‚gern hat‘. Der Gedanke dahinter ist ein viel ausgewogenerer und gibt einem mit, bei aller Liebe gegenüber anderen auch sich selbst nicht zu vernachlässigen.

    Ein kleine Umstellung der Ursprungsaussage verdeutlicht den Gedanken, der in diesem Satz eigentlich steckt:

    ‚Liebe deinen Nächsten wie du dich auch selbst lieben solltest‘

    Kein Egoismus, sondern der Rat zu lernen, sich selbst in einem gesunden Maß wert zu schätzen – ja, zu lieben ohne andere Menschen dabei außen vor zu lassen.

    Klar ist dass als Multipler nochmals eine besondere Herausforderung, man hat nicht nur die Menschen im außen zu lieben, sondern auch die Baustelle einen positiven Umgang mit denen im innen hin zu bekommen.

    In diesem Sinne wünsche ich dir und den deinen, dass es dir Stück für Stück gelingt, dich selbst so zu lieben, wie du anderen gegenüber bereits diese Liebe zeigst.

    💜

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    • Vielen lieben Dank für deine ausführliche Antwort und diesen Wunsch.
      In der Tat hapert es hier bereits an der Selbstversorgung, wie du es nennst. Wir sorgen für andere in der Regel mehr und besser als für uns selbst und vernachlässigen uns sogar komplett, wenn wir gerade intensiv für andere sorgen.
      Deswegen meine ich ja, dass wir diesen Satz, wie er original da steht nicht leben dürfen, weil das anderen Menschen zum Schaden wäre.
      Wenn man das Wortchen „solltest“ da hinzugefügt, ja dann passt es wieder, auch mit dem Satz, den wir da als unser Motto erwähnt haben.

      Diese Selbstliebe von der du sprichst mit Selbstversorgung ist natürlich schon ein Ziel für mich, jedoch etwas was selten funktioniert im Moment. Daher nochmals lieben Dank für diesen Wunsch.
      Wie man das erreichen kann würde mich sehr sehr sehr dolle interessieren, denn uns will es irgendwie nicht gelingen, egal wie sehr ich es mir wünsche für uns.
      Ganz liebe Grüße ❤️

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  2. Nein das sind keine Worte eines Narren, denn der würde sich darüber keine Gedanken machen.
    Aber es sind sehr interessante Gedanken. Leider hab ich aber keine Antwort

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  3. Interessant.
    genau diesen Gedankengang, dass wir das keinem antun wollen, die anderen, wie uns selbst zu lieben, haben wir auch immer, wenn wir das hören oder lesen.
    Können eure Gedankengänge da gut nachvollziehen. Danke für den Text und auch an Chamëleon für seine Gedanken.

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